Krummhörner verwechseln die Landesstraße 2 mit der A31

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Die L2 Rennstrecke zwischen Emden und Pewsum
Die L2 bei Krummhörnern beliebte Rennstrecke zwischen Emden und Pewsum

Krummhörn- Immer häufiger fällt auf, dass einige Krummhörner die Landesstraße 2 zwischen Pewsum und Emden mit der A31 verwechseln. Und nein – es sind keine verirrten Touristen, sondern Anlieger und Bewohner der Dörfer. Das Phänomen nimmt seit etwa zwei Jahren merklich zu, und ich bin mit dieser Wahrnehmung nicht allein.

Wenn ich zwischen Wybelsum und Rysum mit Tempo 95 unterwegs bin und dabei so rasant überholt werde, dass mir fast der Atem stillsteht – und das sagt jemand, der auf Rennstrecken zu Hause ist – dann stimmt irgendetwas nicht. Als langjähriger Motorsportler messe ich mich gerne mit Gleichgesinnten. Nur eben auf Zolder, Zandvoort oder Assen, nicht auf der L2.

Morgens ab 5 Uhr wird Loquard zur Einflugschneise. Von meinem Fenster aus erhasche ich hin und wieder ein Kennzeichen, wenn ich hoch konzentriert auf das heran düsende Blech starre. Offensichtlich hassen diese Menschen den Ort und wollen ihn möglichst schnell hinter sich lassen. Das geht so bis kurz vor acht.

LKW-Fahrer und Lohndienstleister mit ihren Riesentraktoren prüfen bei der Ortsdurchfahrt, ob der Motor bis an den Begrenzer geht. Zwei oder drei Motorradfahrer testen regelmäßig, ob Campen, Loquard und Rysum im vierten Gang bei Vollgas passierbar sind. Ich bin jedenfalls tief beeindruckt von der Drehzahlkulisse einer voll aufgedrehten Suzuki oder Honda mitten im Dorf. Da rieseln sogar die Blätter von der Ligusterhecke vor Ehrfurcht auf den Boden.

Es hat bereits gekracht. Ein Motorradfahrer landete im Kofferraum eines einbiegenden PKW – die Verletzungen waren erheblich, zum Glück hat er überlebt. Mein Nachbar rettete eine Dreijährige per Hechtsprung vor einem Auto. Medaillen verdächtig.

Ein Appell – ohne erhobenen Zeigefinger:

Liebe Nachbarn, liebe VW-Werksfahrer: Steht ein paar Minuten früher auf. Haltet Euch an die 50. Ihr spart Sprit, verbessert die Ökobilanz und – das ist der eigentliche Punkt – es gibt im Ort Kinder, Hunde und Landwirte, die nicht ahnen, dass gleich jemand mit Vollgas um die Kurve kommt.

Es wäre schön, wenn ihr den Radarwarnungen in der WhatsApp-Gruppe mal eine Pause gönnt. In Wirklichkeit seid ihr ja keine Raser – ihr lasst nur hin und wieder die Pferde los. Das kann ich verstehen. Aber vielleicht reicht es, das Gaspedal erst auf der A31 durch das Bodenblech zu hauen.

An Landkreis Aurich, Polizei und Straßenbehörde:

Kontrollen um 10 Uhr morgens auf der L2 sind sportlich optimistisch. Die relevanten Zeiten sind frühmorgens. Wer das einmal vor Ort prüft, wird meine Einschätzung vermutlich teilen – und vielleicht auch, ob bauliche Maßnahmen wie in Borsum oder Hinte auch für Upleward, Rysum, Campen und Loquard sinnvoll wären.

Kommt gesund nach Hause. Alle.