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Herbst in der Krummhörn zwischen Loquard, Rysum und Campen

Loquard- Es gibt kaum ein feineres Blau als das im Herbst in der Krummhörn. Unterwegs von Loquard nach Rysum, den Deich entlang Richtung Campen und zurück ins Dorf.

Der FC Loquard – Tradition und Verein mit breitem Sportangebot

Badminton beim FC Loquard
Badminton beim FC Loquard

Loquard – Die Homepage des FC schwarz weiß Loquard hat sich in den letzten Wochen stark verändert. Sie zeigt  das  FC Loquard nicht nur ein Fußballverein ist. Der ostfriesische  Traditionsverein,  bietet viel mehr Sportarten an, als es „Neu Ostfriesen“ und Gästen in der Region bisher bekannt ist.

Direkt am Ortsausgang von Loquard , Richtung Rysum, also an der Landstraße gelegen, sieht man von der Straße aus nur den Fußball Rasen und das Vereinsheim. Doch hinter den Büschen und Bäumen  steht auch eine Turnhalle. Und hier werden die Hallen Sportarten betrieben. Immerhin bin ich ja schon fast fünf Jahre im Dorf, aber einiges davon war mir vollkommen unbekannt.

Der Verein hat eine  Tischtennis Abteilung. In dieser Sportart  sind die dort spielenden Vereinsmitglieder in Ostfriesland  sehr bekannt.  Die Jugendarbeit hat einen guten Ruf und in der Saison 2019/2020 stellt der FC Loquard insgesamt drei Herren – Tischtennismannschaften und eine Jugendmannschaft.

Tischtennis beim FC Loquard
Tischtennis beim FC Loquard

Der FC Loquard bietet Badmindton, Indiaca, Nordic Walking, Skat,   und auch E-Sport findet dort statt. Jungen- und Mädchenfußball  finden im Zusammenschluss mit Upleward statt.
Das heißt, du kannst wenn du willst  beim FC Loquard  Federball spielen und wandern, oder ein paar Runden Skat kloppen. Skat. Sport? Ja klar, jeder der Skat kennt, weiß, das dich ein Grand ohne vier, ganz schön ins schwitzen bringen kann.  Nach dem Sport bietet sich ein geselliges Ründchen mit  den Mitsportlern  im urgemütlichen  Vereinsheim an.

Joachim Haberts: Wir sind nicht nur Fußballverein

FC Loquard  Vereinspräsident  ist Joachim Haberts. So engagiert, witzig, kompetent, wie er die Fußballgäste an Spieltagen mit Musik und Spielinformationen der 1.Herren unterhält, so engagiert ist er auch, wenn darum geht den FC Loquard in der Öffentlichkeit besser auf zu stellen. Ok, wenn die 1.Herren auf dem Rasen mal wieder müde in der Abwehr agieren, fährt er halt schon mal aus dem Hemd. Doch das soll wohl so auch sein im Verein. Mannschafts-Sportarten sind mit  Kampf und Einsatz verbunden. Da soll und muss Einer für den Anderen da sein.

„Wir sind nicht nur ein Fußballverein“, sagt er im Gespräch, „wir wollen auch ein Bindeglied im Leben der Menschen im Umfeld sein. Wir erweitern unser Angebot gerne und alle unsere Sportgruppen  sind immer offen für neue Mitglieder. Ich würde mich freuen, wenn viele Loquarder und Krummhörner unsere sportlichen, aber auch die  geselligen  Angebote des FC Loquard annehmen würden.“

Doch nicht nur  Joachim Haberts arbeitet daran, das sich  Mitglieder und Gäste hier wohl fühlen. Viele junge und alte Sportler und nicht Sportler im Verein,sind genauso engagiert, offen und gesprächsbereit.

Ein Verein kann und sollte in der heutigen Zeit auch ein Ankerplatz für das gesamte Umfeld sein.  Andy der bei den alten Herren spielt, sagte mir am Spielfeldrand:“ Ich würde ja auch gerne einmal im Monat so etwas wie einen „Club Abend fürs Dorf“ machen, wo sich die Loquarder Nachbarn auf ein Bier treffen und einfach mal eine Runde schnacken. So etwas wo man sich näher kennen lernt.“  Ich höre das gerne und finde es eine gute Idee. Jetzt warte ich ab, ob uns ein „Dorf Treff“  beim FCL  in Loquard eines Tages noch erreicht.

Uns jetzt stellt Euch mal vor, nach fünf Jahren habe ich erst in der letzten Woche erfahren, das meine Nachbarin Grudrun in der Indiaca Gruppe spielt und die hat gesagt:“ Es macht so viel Spaß in dieser Gruppe und ihr könnt gerne zum Schnupper Training kommen.“

Frauengruppe beim Flunykball Turnier Foto (c) Reiner Poets
Frauengruppe beim Flunykball Turnier Foto (c) Reiner Poets

Die Veränderungen der Vereinshomepage wurden Angesichts der Breite der Sportangebote auf die Schultern der verschiedenen Sportgruppen und deren Mitglieder verlagert. So betreuen in der Folge  Thorsten Zeiss  und Fotograf Reiner Poets den Fußball, Bern Visser die Termine, Holger Janssen  Tischtennis, Gudrun de Fries das Nordic Walking und  und Meenje van Velde  Badminton. Sie alle haben sich eingebracht und das Ergebnis findet ihr hier  ->  Link zur Homepage des FC Loquard  

Dort findet man nun auch die anderen Sportarten und deren Ansprechpartner und die Trainingszeiten.  Das sieht schon ganz prächtig aus und ich gehe davon aus, das sich das in der Folge sicher fortsetzt, denn in Ostfriesland schlagen die Uhren etwas gemählicher.

Ich denke mir das wir uns in der Zukunft sicher mal beim FCL treffen liebe Nachbarn in Loquard,Rysum,Campen.  Ein Treffen im Verein.  Vielleicht wird, ist es, könnte es,  dein Verein, mein Verein,sein, werden, wieder werden. Die Tradition des FC Loquard wird von der Jugend, aktuell sehr lebendig gelebt und fortgeschrieben und im übrigen vom Alter würdig dabei unterstützt. Ein gutes  Zeichen, in von Medien überlagerten Zeiten.

Der Kölner sagt: Ein Bier und eine Wurst geht immer! Wenn die Musik gut ist auch zwei.  Wenn die Menschen nett sind, kann auch  die Sonne schon mal wieder aufgehen. In Ostfriesland und in der Krummhörn ist das besonders schön. Ist damit alles gesagt? Für heute ja.Moin!

Link zur Homepage des FC Loquard

Rasenmäher und Gartengeräte Service Frank Daniels Landmaschinentechnik Loquard

Meinen Rasenmäher habe ich im Internet gekauft und mich seit dem ständig schwarz geärgert, weil das Ding immer irgendwie gestreikt hat. Mein Retter in der Not war Frank Daniels in Loquard und seine technisch sehr fitte Crew.

Schon in der dritten Generation betreibt der umtriebige Landmaschinen und Kommunaltechnik-Spezialist Frank Daniels seinen Betrieb in Loquard.

Viele Bauern in der Krummhörn und weiterer Umgebung schätzen die flinke Eingreiftruppe von Frank Daniels. Wenn in der Erntezeit ein Trecker oder ein Anbaugerät streikt, rückt ein Fahrzeug aus dem ansehnlichen Daniels-Fuhrpark mit speziell ausgerüstetem Servicematerial und Werkzeug umgehend aus, um direkt vor Ort auf dem Feld Hand an die streikende Maschine zu legen.

Nun ja Bauer bin ich nicht und einen Trecker brauche ich auch nicht. Ich dagegen schätze den wirklich flotten Service in der speziellen Werkstatt nur für die Gartengeräte.

Frank Daniels Krummhörn - Die Rasengeräte Ausstellung und Werkstatt an der Landstr. in Loquard
Frank Daniels Krummhörn – Die Rasengeräte Ausstellung und Werkstatt an der Landstr. in Loquard

Rasenmäher, Kantenschneider, Aufsitzmäher, Motor getriebene Heckenscheren und Motorsägen. Wer eine Kettensäge hat und die gehört in Ostfriesland zum Standardwerkzeug, weiß die Ketten gehen öfter platt als einem lieb ist. So habe ich immer eine Kette auf der Säge und eine zum Schleifen bei Daniels. Das finde ich ausgesprochen praktisch.

Noch praktischer war für mich meine persönliche Rasenmäher Problematik. Überlaufendes Benzin. Notorisch schlechter Start. Zweimal die komplette Startzugeinrichtung defekt. Von Beginn an hatte ich enorme Startschwierigkeiten bei meinem im Internet gekauften Rasenmäher. Den Problemen wurde dann in der Werkstatt, die direkt vorne an der Landstraße liegt, zu Leibe gerückt und von Daniels Spezialisten endgültig behoben. Seit dem tut er verlässlich seine Dienste.

Wer ein Problem mit einem Motor-Gartengerät hat, der ist nach meiner Meinung in der Werkstatt bestens aufgehoben. In den letzten beiden Jahren hat Daniels bei den Motor Rasen- und Aufsitzmähern enorm aufgerüstet. In der großen Ausstellung steht eine große Auswahl, in unterschiedlichen Größen und von verschiedenen Herstellern bereit.

Aufsitz-Rasenmaeher-Daniels
VIKING und Honda Aufsitzrasenmäher bei Daniels Landmaschinen Krummhörn

Frank Daniels Landmaschinen ist autorisierter STIHL VIKING Fachhändler. Beratung, Service und Einweisung sind empfehlenswert. Also wenn der Rasenmäher oder die Kettensäge streikt, Ihr könnt da gerne hinfahren und es wird Euch geholfen.

Frank Daniels Landmaschinen
Großer Maarweg 1
26736 Krummhörn 2-Loquard
Telefon: 04927 308

Containerdienst Grimjes Woltzeten Krummhörn

Containerdienst Grimjes Krummhoern Woltzeten
Containerdienst Grimjes Krummhoern Woltzeten

Woltzeten – Seit Mai bietet Dirk Grimjes Container gemeinsam mit der Firma Hero Bonn an. Des weiteren umfassen seine
Dienstleistungen auch Garten- und Landschaftsbau. Dirk Grimjes rodet den zugewachsenen Garten einschließlich Abfuhr des anfallenden Materials, führt Baggerarbeiten aller Art mit dem Minibagger aus, wie beispielsweise das reinigen von Grenzgräben und das Anlegen von Uferbefestigungen.

Er führt auch arbeiten zur Vorbereitung der Neuanlage von Gärten aus. Das umfasst auffüllen mit Mutterboden, Auskofferungen, Bearbeitung von Rasenflächen, planieren, fräsen, säen und Walzen, sowie das Verlegen von Drainagen.

Eine weitere Dienstleistung bietet Dirk Grimjes als Mitarbeiter der Firma Hero Bonn, Pewsum, an. Der Landmaschinenmechaniker und gelernte Landwirt ist im Unternehmen Hero Bonn für die Gestellung von Containern zuständig.

Grimjes-Containerdienst Woltzeten Krummhörn
Grimjes-Containerdienst Woltzeten Krummhörn

Bei den Containern werden auch Flachcontainer angeboten. Diese Container haben Türen, sodass man ganz einfach, etwa mit einer Schubkarre hineinfahren kann. In diesen Containern kann auch das erforderliche Material wie Füllsand, Mutterboden, Mineralgemisch in verschiedenen Körnungen oder Ähnliches direkt auf die Baustelle geliefert werden. Die Organisation übernimmt die Firma Hero Bonn.

Die Container können direkt bei Dirk Grimjes geordert werden. Für die Container gilt eine Standzeit von einer Woche.Längere Standzeiten sind aber möglich.

Dirk Grimjes

Dorfring 16

26736 Krummhörn Woltzeten

Telefon: 0175 410 20 40

Öffnungszeiten Montags bis Samstags von 7 bis 18 Uhr.

Über 100 Jahre Gasthaus am Markt in Rysum

Gasthaus am Markt Rysum
Gasthaus am Markt Rysum

Rysum – Immer wenn mein Nachbar Hans, in Loquard an meiner Haustür vorbeikommt und auf einen Snack anhält, reden wir nicht nur über den BVB oder den FC. Er als gebürtiger Rysumer hatte mir schon öfter gesagt:“ Wenn du mal ein ordentliches Bierchen trinken willst, dann fahr doch mal nach Rysum zu Dieter. Das Pils ist der Hammer! Und seine Frau kocht echt Klasse!“

Ihr wißt ja wie das ist. Steter Tropfen höhlt den Stein und ich  habe das dann vor ein paar Wochen in Angriff genommen. Klar war mir das  Haus von außen betrachtet nicht unbekannt. Gesehen ja, war mir aber nie klar, das es ein solch altes Gasthaus ist.

Mitten im Dorf am Marktplatz von Rysum steht diese  altehrwürdige Gasthaus. Das „Gasthaus am Markt“ blickt zurück auf eine mehr als 100 jährige Tradition im Familienbesitz.  Und so wie damals 1847, als Kolonialwarenladen mit Ausschank beliebt,  schätzen die Rysumer ihr „Haus am Markt “ und  Wirt Dieter Schmidt, auch heute noch. Der Ostfriesische Gastronom in der dritten Generation ist ein Unikat und vielleicht gerade deshalb bei den Einheimischen so beliebt. Ich habe auf jeden Fall eine Menge über die alten Zeiten erfahren. Selbst über mein eigenes Haus und deren Besitzer Grete Mennenga wusste Dieter viel zu erzählen.

Hier wir an der Theke in erster Linie ostfriesisch gesprochen. Deshalb sagt der Wirt zu seinem Haus auch:

„Lütje Weertshuus „bi Dieter“

Selbstverständlich sind Touristen gern gesehen und werden  entsprechend höflich und zuvorkommend behandelt. Aus dem Zapfhan läuft Krombacher Pils vom Faß und das schmeckt herrlich kühl und lecker, während der Gast derweil musikalisch von gutem alten Rock and Roll, bestens unterhalten wird. Die vielen Accessoirs in der Gaststube sprechen Ihre eigene Sprache. Manche Bilder sind eine Augenweide für Menschen wie mich, die historisches schätze.

Also, das Ambiente entspricht eben dem Alter des Hauses und man kann fühlt sich zurückversetzt  in die die urigen Zeiten um die Jahrtausendwende des vorigen Jahrhundert  richtig wohl.

Die Köchin des  Hauses, die Ehefrau, zaubert richtig leckere, gutbürgerliche Speisen auf den Tisch. Ein Blick auf die  Speisekarte  zeigt, das es neben Fisch auch Fleisch gibt. Und auch die kleinen Gäste kommen auf ihre Kosten.

Unser Tipp für Feriengästen aus den Nachbardörfern lautet:

Ist der Hunger da und ihr habt keine Lust zu kochen, dann fahrt doch mal rüber nach Rysum. Parkplätze am Markt sind da. Fahrräder können gut vor der Tür parken.

Bringt ein wenig Zeit mit, denn hin und wieder rockt das Haus richtig. Das meint, dann ist es sehr gut besucht. Denn auch viele Vereine schätzen das Gasthaus und das Essen. Man sollte ruhig ein wenig ostfriesische Gelassenheit mitbringen, oder vielleicht vorher reservieren, dann wird es in jedem Fall ein richtig schöner Ausflug.

Für Durchreisende Radfahrer, es gibt auch nette Tische und Stühle, sowie kalte Getränke, die man vor der Tür des Gasthauses, direkt am Marktplatz in himmlischer Ruhe genießen kann.

Direkt um die Ecke befindet sich auch die historische Rysumer Mühle.

Mühle Rysum
Historische Mühle Rysum

Das Warfendorf  Rysum in der Krummhörn ist also allemal einen Besuch wert und Wirt  Dieter ist wahrlich historisch kundig. Das macht einen Besuch um ein vielfaches spannender, denn ihr wisst, Gastlichkeit und gute, wahre Geschichten, sind allemal unterhaltsamer als ein Fernsehabend.

Geöffnet:
Montag – Freitag: 18:00 – 22:00 Uhr
Mittwoch geschlossen
Samstag und Sonntag:
12:00 – 14:30 Uhr
18:00 – 22:00 Uhr

Kiek mol wedder in…… bi  Dieter Schmidt:

Markstraße 3
26736 Krummhörn – Rysum
Tel.: + 49 4927 691
Im Internet unter: www.gasthaus-am-markt.de

Met Wulkje en Kluntje: Sehnsucht nach Tee

Ostfriesische Teekultur 2016 aufgenommen ins UNESCO Weltnaturerbe. 

Autor: Thomas Schumacher*
Deutsche trinken Kaffee. 180 Liter im Jahr pro Kopf. Überall? Nein! Eine kleine Halbinsel im Nordwesten der Republik mit nur 465.000 EinwohnerInnen hat Sinn an Tee. Ostfriesland schluckt 290 Liter Tee pro Jahr. Von der Küste aus gesehen ist Restdeutschland mit einem Pfützenteekonsum von 26 Litern unterentwickelte Randlage.
„Nach einer Tasse Kaffee geht der Blutdruck rauf und zack, wieder runter. Fertig. Ostfriesen geht es um den Genuss nicht um die Droge“, die ehemalige Leiterin des Kulturbüros in der Ostfriesischen Landschaft, Uda von der Nahmer, liebt Tee. Sie atmet Tee. „Ostfriesen trinken regelmäßig Tee. So dreimal am Tag. Oder vier Mal. Oder Fünfmal. Eigentlich trinken wir immer Tee“, pflegt der große, alte ostfriesische Reformpädagoge und Schriftsteller Johannes Diekhoff aus Aurich „Zugereisten“ den Mythos des Tees zu erklären.
Zur persönlichen Sicherheit
Dreimal ist Ostfriesenrecht, dieser Kalauer hat einen sicherheitspolitischen Hintergrund. Egal wie Ostfriesen von ihren Funktionären beschrieben werden, in echt waren sie intrigant, streitsüchtig und auf ihren Vorteil bedacht. Aber Gastfreundschaft war ihnen heilig. Oder anders:  Erst mal abwarten und ein „Sökpe“  (Bier oder Schnaps) trinken und ausbaldowern ob der Gast eine lukrative Beute sein könnte. Solange der Gast seinen Becher gefüllt hatte, war er sicher. Dreimal wurde nachgegossen. Danach war er Freund oder tot. Man kann davon ausgehen, dass Gastfreundschaft  in einer ostfriesischen Teerunde heute anders gehandhabt wird. Aber mindestens drei Tassen Tee sind immer noch Ostfriesenrecht.
Die Zeremonie
1_320px-Tea_set_in_the_style_of_East_Frisia,_Lower_Saxony,_Germany_-_200704082_320px-Ostfriesentee3_320px-Kluntje4_320px-Teesieb5_320px-Tee_sahneloeffel„Genuss verlangt Zeit“, weiß Uda von der Nahmer. TeetrinkerInnen begeben sich auf eine Reise zu sich selbst. Dazu brauchen sie das Stövchen.  Das ist ein aus Messing geschlagenes Podest mit einem Teelicht um den Tee in der Kanne heiß zu halten. Die Kanne ist idealerweise aus weißem, geriffeltem Porzellan, bemalt mit einer zarten roten Rose. Die dazu passenden Tässchen sind hauchdünn.  Dazu gibt es ein Kännchen mit abgesondertem Rohm (Sahne) von frischer Milch und ein Töpfchen mit Kluntjes, groben Kandisstücken. Übrigens, das Geschirr heisst zwar so, ist aber nicht ostfriesisch. Es kommt ursprünglich aus China, dort war Tee schon lange vor Christi Geburt eine allerwelts Handelsware. Aus Marketinggründen schufen die Chinesen immer neue Geschirrmoden. Als der Tee und die aktuelle Geschirrmode im 17. Jahrhundert nach Europa kam, dachten die Ostfriesen, Tee und Geschirr gehörten unverbrüchlich als Einheit zusammen. Zurück zum hier und jetzt, zur Teezeremonie. Man legt so viele Kluntjes in sein Tässchen wie man möchte (mehr als zwei passen eh nicht rein) und gibt den heißen Tee darüber. Ohm …, die Meditation beginnt. Wir lauschen auf das Knistern des Zuckers. Mit einem feinen Kellchen legt man – legen!!! –  den Rohm sacht über den Tee. Die Sahne explodiert zum Wulkje (Wolke), jener dynamischen Figuration, die dem eigentlichen, vorsichtig formuliert, geschwindigkeitsbegrenztem Charakter der Ostfriesen entgegensteht. Gegensätze ziehen sich an. Das zierliche Löffelchen neben dem Tässchen beweist nur die Vollständigkeit des Services im Haushalt. Nicht damit rühren! Legen Sie das Löffelchen ins Tässchen, signalisiert das ihre Unmöglichkeit, weiter Tee ins sich hineinzuschütten. Zum Tee gibt es trockenes Gebäck – niemals Kuchen oder gar Torte. Da die Teeblätter lose in der Kanne aufgebrüht werden, wird das Getränk mit der Zeit immer herber. Mindestens dreimal ist Ostfriesenrecht, die dritte Tasse kann schon recht kräftig sein. Trotzdem zündet der Geschmack immer in drei Stufen auf der Zunge. Zuerst der fette Milchgeschmack der Sahne, dann das Aroma des  leicht bitteren Tees, der wiederrum vom süßen Schmeichel des Zuckers abgerundet wird. Wer glaubt, dieses Zeremoniell zu Tages- und  Nachtzeiten sei abgefahren, dem sei gesagt: Die Sehnsucht nach diese Zelebration zieht sich durch alle Schichten und Altersklassen! Sollten Sie in einem Cafe Tee bestellen, bedenken Sie, auch hinter dem Deich ist die Globalisierung
angekommen. Selbst in Aurich, Wittmund oder Reepsholt könnte Ihnen ein Glas mit Teebeutel und heißem Wasser serviert werden. Teebeutel sind für echte Friesen Verrat. Vergewissern Sie sich vorsichtshalber mit einem Blick durchs Fenster, ob Sie nicht doch in England sind!

Bronzestatue Bronzestatue „Teelke“ in Leer (Ostfriesland). Das Werk des Leeraner Künstlers Karl-Ludwig Böke steht vor dem Stammhaus des traditionsreichen ostfriesischen Teehandelshauses Bünting. Die Firma hat die Statue der „Teebotschafterin“ gestiftet und der Stadt Leer und seinen Bewohnern gewidmet. Foto ©: Temmo Bosse, CC BY-SA3.0, Wikipedia

Der Tee ist fertig   
Tee ist Berufung, Glaubenssache, Lebenselixier. Auf die Sorte kommt es an. Ostfriesen Tee dürfen sich viele Tees nennen. Die „echten“ verbürgen sich mit ihrem Namen: Bünting, Thiele, Onno Behrends. Die Unternehmen aus Leer, Emden und Norden sind die letzten Markenfirmen, die echten Ostfriesentee herstellen. Die Leitmarke der Leeraner Handelsgruppe Bünting, der „Grünpack“ wurde 2012  als „Marke des Jahrhunderts“ ausgezeichnet. Der Ostfriesentee ist jeweils eine geheime Mischung aus bis zu 20 Sorten, vornehmlich Assam Tees. Das Aroma ist kräftig herb. Genau genommen sind nur Bünting und Thiele echt, weil sie von den jeweiligen Unternehmen selbst in Ostfriesland hergestellt werden. Nachdem die Niederländer im 17. Jahrhundert den ersten Tee nach Europa brachten, kam er zuerst über den kleinen Küstenverkehr nach Ostfriesland. Seitdem ficht das Heißgetränk einen rücksichtslosen Konkurrenzkampf gegen Bier und Schnaps aus. Wegen des schlechten, moorigen Brackwassers  war eigentlich der Alkohol das Grundnahrungsmittel an der Küste. Auf die Idee, zur allgemeinen Befriedung Schnaps in den Tee zu gießen, sind die Ostfriesen noch nicht gekommen.

Info
Das Ostfriesische Teemuseum Norden ist ein Museum in der ostfriesischen Stadt Norden. Es hat seinen Sitz im Alten Rathaus der Stadt und ist Mitglied im Museumsverbund Ostfriesland.

Am Markt 36, 26506 Norden, Deutschland
Telefon: +49 4931 12100
http://www.teemuseum.de/

TeeMuseum – Sammlung Oswald-von Diepholz zur internationalen Kulturgeschichte des Tees

Das TeeMuseum zeigt auf drei Etagen im historischen Haus „Am Markt 33“ (erbaut ca. 1540) anhand von Exponaten aus mehr als tausend Jahren die Entwicklung der Teegerätschaften und stellt die Bedeutung des Tees für alle Kulturen, Zeitabschnitte und Lebensbereiche, insbesondere für die höfische Kultur des 18. und 19. Jahrhunderts dar.
Am Markt 33, 26506 Norden, Deutschland
Telefon: +49 4931 13800
http://www.teemuseum-norden.de

Das Bünting Teemuseum in der Altstadt von Leer bietet einen umfassenden, interessant designten Einblick in die Geschichte, die Produktion und den Handel mit Tee.
Brunnenstraße 33, 26789 Leer
https://www.buenting-teemuseum.de

Viele Heimatmuseen in Ostfriesland haben „ihre“ Teeecke.

* Thomas Schumacher schreibt über Ostfriesland. Er veröffentlicht u.a. in der taz, WATERKANT und wenn Sie möchten, auch für Sie. Wohnhaft in Leer ist er immer in der Nähe des Geschehens.

Kontakt über +49 491 9711188 oder schumipress@web.de

Ergänzung
von Volkmar Kayser

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg brach eine Periode des Hamsterns an. Ostfriesen fuhren in das Ruhrgebiet, um Bergarbeitern ihre Schwerstarbeiter-Teezulagen gegen Speck, Butter oder Eier abzutauschen. Auch umgekehrt kamen die Frauen von Bergarbeitern, die „Teewiefkes“, vor allem aus Westfalen, mit Tee aus Bergarbeiter-Sonderrationen nach Ostfriesland für diesen Tausch. Nach Währungsreform und Staatsgründung dauerte es noch bis 1953, bis die Teesteuer auf ein erträgliches Maß gesenkt wurde und die Menschen in Ostfriesland sich wieder so viel Tee leisten konnten, wie sie wollten.
Frau Hieronimus, die letzte Besitzerin des Hauses am Runden Graben 14 in Loquard – nunmehr Ferienhaus »Dat lüttje Hüske« – erzählte mir einmal folgende Geschichte:

Am Runden Graben 14, Loquard – Ende der 50er Jahre – Zu dieser Zeit war man nicht mehr auf den »Tausch-Tee« angewiesen. Am Runden Graben 14, Loquard – Ende der 50er Jahre – Zu dieser Zeit war man nicht mehr auf den »Tausch-Tee« angewiesen.

Während der Nachkriegszeit kamen viele Städter auch nach Loquard zum Hamstern. Das Angebot, Tee gegen Lebensmittel eintauschen zu können, sei allzu verlockend gewesen. So ließ sie sich hinreissen, von dem Wenigen, was eine Deicharbeiterfamilie aus eigenem Garten erwirtschaftet hatte, abzugeben und gegen den begehrten Tee einzutauschen. Als es dann an den Genus des Tees gehen sollte, musste sie leider feststellen, dass sie einem Betrug aufgesessen war. Die Teeblätter hatten schon einen Aufguss hinter sich und waren wieder sorgfältig getrocknet worden, um Wertloses gegen Wertvolleres zu tauschen. Solch ein unlauteres Geschäft wäre einem Ostfriesen wohl nie in den Sinn gekommen.

Osterburg Groothusen – Das Burgcafe und ein Häuptlingsfrühstück

Osterburg Groothusen Ostfriesland
Osterburg Groothusen Ostfriesland

Groothusen | In unseren Ausflugstipps machen wir heute einen kleinen Ausflug zur Osterburg.  Die Osterburg in Groothusen erzählt die bewegte und kriegerische Geschichte einer ganzen Region. Einst wehrhafter Sitz eines Stammesführers wurde die Häuptlingsburg im 15. Jahrhundert erbaut. Bis heute wird mit der Osterburg auch die Verantwortung für das historische Erbe von Generation zu Generation weitergegeben.

Die Osterburg ist eine hochmittelalterliche Wasserburg in Groothusen, einem Ortsteil der Gemeinde Krummhörn in Ostfriesland. Architektonisch gehört ihr Kernbau zu den ostfriesischen Häuptlingsburgen des Steinhaustypus Saalbau. Die denkmalgeschützte  Osterburg ist für Ostfriesland-Urlauber ganz sicher einen Besuch wert und das hat gleich mehrere gute Gründe.

Auf der Landstraße von Emden nach Pewsum, fährt man zum Beispiel auf dem Radweg über Loquard, an Campen, Upleward, Hamswehrum vorbei und kommt so nach Groothusen. Man biegt links ab Richtung Greetsiel und auf der rechten Seite liegt die alte Häuptlingsburg Osterburg.

Burgcafe Osterburg Groothusen
Burgcafe Osterburg Groothusen

Die Osterburg befindet sich seit über 500 Jahren im Familienbesitz und kann mit Terminvereinbarung besichtigt werden. Das ist höchst interessant, denn im alten Gemäuer befindet sich eine umfangreiche Ahnengalerie und viele Räume und Gegenstände, die Zeugen lange vergangener Zeiten sind. Die Osterburg ist aber nicht nur eine historische ostfriesische Häuptlingsburg, sondern deren Besitzer Klaas & Dorothea Kempe engagieren sich auch gastronomisch und künstlerisch.

Osterburg Groothusen
Osterburg Groothusen

So finden im Laufe des Jahres auch etliche Kulturveranstaltungen in der Osterburg statt. Am besten die Internetseite unter Favoriten speichern und immer mal wieder nachschauen unter Veranstaltungen.

Burgcafé Osterburg Schatthaus

Im Burgcafe kann man auch herrlich draußen sitzen
Im Burgcafe kann man auch herrlich draußen sitzen

Das Café gehört zum denkmalgeschützten Ensemble der Osterburg und ist so ein kleiner Geheimtipp. Mit Sicht auf die historische Burg und den Park sitzt man dort an Sommertagen im Freien. Das Café wird seit Mai 2015 familiär und traditionsbewusst geführt. Nach vorheriger Anmeldung kann man auch an vielen Wochenenden im Jahr das inzwischen berühmte Osterburg Häuptlingsfrühstück genießen. Das gilt auch für die Ostfriesland-Winterurlauber.

Burgcafe Groothusen Blick Richtung Greetsiel von der Osterburg
Burgcafe Groothusen Blick Richtung Greetsiel von der Osterburg

Innen im Cafe sind alle Räume stilecht ostfriesisch restauriert und das Ambiente beim Frühstück ist schon ausserodentlich. Nimmt man an schönen Tage im Garten Platz, hat man einen herrlichen Blick über Land in Richtung Greetsiel. Himmlische Ruhe, Wald und die Naturlandschaft laden nach selbst gebackenem Kuchen zu einem Spaziergang ein.

Filzkunst trifft Park im Lostgarden der Osterburg

Die erste Ausstellung des Netzwerkes ostfriesischer Filzerinnen zeigte bereits 2012 gefilzte Objekte, die in Bäumen hängen oder auf dem Waldboden liegen.

Es gibt riesige Spinnweben, Feen und Trolle, Baumpilze oder fliegende Quallen, umfilzte Gegenstände, Filzblumen, Fische und rätselhafte Gebilde. Jedes Objekt hat einen direkten Bezug zur Natur und der speziellen Umgebung des Parks. Eine beschilderte Route führt die Ausstellungsbesucher durch die denkmalgeschützte Parkanlage der Osterburg. Besuchstermine sollten vorher vereinbart werden.

Osterburg
Klaas & Dorothea Kempe
An der Osterburg 1
26736 Krummhörn
Telefon: +49 4923 805468

Webseite: Osterburg Groothusen Ostfriesland

Asia Fu Loi im DollartCenter Emden

Emden – Moin, in der Nähe meiner Heimatstadt in NRW gab es in den Neunzigerjahren ein asiatisches Restaurant, das wir im Schnitt einmal pro Monat aufsuchten. Grund war eine Soße mit Suchtfaktor, die sich „Kung Pao“ nannte. Leider machte das Restaurant Anfang der 2000-er zu. Seitdem tingle ich durch die asiatische Gastronomie auf der Suche nach Vergleichbarem.

Ausgerechnet in Ostfriesland bin ich nun fündig geworden. Und zwar an einer Stelle, wo ich es am wenigsten erwartet hätte: Im DollartCenter in Emden.

In jeder größeren Shopping-Mall gibt es einen asiatischen Imbiss, wo man für kleines Geld ein Kontingent Bratnudeln bekommt, das geeignet ist, eine Gallenkolik auszulösen. Nicht so im Asia Imbiss Fu Loi.
Die Preise sind auch hier moderat, einem Imbiss angemessen, aber die Qualität und die Auswahl der dargebotenen Speisen hat uns bass erstaunt.

Und was das Beste ist: Die „Knusprige Ente Szechuan“ oder äquivalent das knusprige Hähnchen hat mir spontan eine kulinarische Zeitreise beschert. Die Soße ist ganz dicht dran an unserer geliebten Kung Pao. Und so gehört das Fu Loi inzwischen ebenfalls zum Pflichtprogramm, wenn wir hier sind.
Guten Appetit wünscht euer
Horst Meuer

DollartCenter
Thüringer Str. 9
26723 Emden

Appelhagen liefert: Ostfriesische Fleisch- und Wurst-Spezialitäten in die Krummhörn

Loquard | Die Krummhörner lieben und schätzen Carmen Appelhagen. Sie ist Woche für Woche mit Ihrem mobilen Laden durch die Krummhörn unterwegs und liefert Fleisch und Wurstwaren frisch aus Norden. An zwei Tagen in der Woche hält Sie in Loquard.

Sie hält gute und frische Fleischwaren aus der eigenen Metzgerei in Norden vor. Besonders lecker sind die ostfriesischen Bratwürste und der Rollbraten. Aber auch Rippchen zum grillen im Sommer und andere Leckereien kannst du zwei mal die Woche in Loquard kaufen.  Frische Brötchen, Eier und Butter hat sie auch an Bord ihres Servicewagen.

Was Sie sonst alles noch macht, und wie die Krummhörner so sind, das erfahrt Ihr im folgenden Video vom NDR. Auch unser Bürgermeister Frank Baumann wird vorgestellt. Der NDR hat in der Nordstory vieles über Ostfriesand und die Krummhörn zusammen getragen. Auch viel Spaß auf der NDR-Tour durch die Krummhörn, und schaut mal wie Carmen Appelhagen Euch durch die Krummhörn führt.
Immer Dienstag und Freitag in Loquard
von 9°°-10°°

Fleisch und Wurst von Appelhagen
Westerstraße 68, 26506 Norden
Telefon: 04931 3011

Heringslogger Emden – eine Ergänzung zum Reiseführer

Heringslogger-Emden

Emden – Neben Aurich und Leer die dritte ostfriesische „Metropole“ und gleichzeitig das Tor zur Krummhörn. Es gibt Reiseführer und Webseiten zuhauf, die sich mit Emden befassen. Ob mit VW einem der größten Arbeitgeber der Region oder mit dem Otto-Huus als Touristenmagnet. All‘ das findet man anderswo ausführlicher und besser beschrieben, als unser kleiner Ratgeber das leisten kann.

Was aber nahezu überall fehlt, ist einer der wichtigsten Geheimtipps: Der Heringslogger am Delft.

Wer sich jetzt nach dem Studium einschlägiger Reiseführer fragt, was denn an einem Museumsschiff geheim sein soll, der liegt falsch. Gemeint ist nicht die „AE7-Stadt Emden“ von 1872, sondern Bittners Fischspezialitäten, eine vergleichsweise kleine Imbissbude am Hafentor.

Hier gibt es weder Sushi noch Kugelfisch, auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag. Die netten Asiatinnen, die hier vorwiegend bedienen, verkaufen von original Emder Matjes über selbstgemachte Fischfrikadellen, Backfisch, Granat bis hin zum Kibbeling mit original holländischer Joppie Saus beste, frische Meeresfrüchte. Und natürlich holländische Pommes, versteht sich von selbst.
An schönen Tagen in der Saison ist die Schlange vor dem Imbiss darum auch nicht selten bis zu 20m lang. Aber das Warten wird belohnt.
Wenn wir Urlaub machen, gehört dieser Wagen immer zum Pflichtprogramm.

Euer Horst Meuer